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durchwühlen Deutschland

3 Euro Fangprämie

Bisam von vorne (Foto Dr. Meschenmoser)

Ein Deich rutscht ab. Wasser bricht ein. Kein Schutz mehr vor Hochwasser. Dahinter stecken nordamerikanische Einwanderer. Sie fühlen sich wohl in Deutschland und wühlen sich durch. Ungefähr so groß wie Kaninchen gehören sie zu den größten Wühlmäusen.
Bisams wurden vor hundert Jahren zur Pelzzucht nach Europa gebracht. Rasch vermehrten sie sich und wanderten durch Wasserwege und Kanäle in alle Richtungen. Doch überall werden diese fruchtbaren Säugetiere von Menschen bekämpft. Für einen Schwanz gibt es drei Euro Fangprämie.
Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser)

Woran erkennt man Bisams?

Nur für ungeübte Beobachter ähneln die Bisamratten den Ratten. Deshalb werden diese Nagetiere oft auch nur als „Bisam“ bezeichnet. Für die Indianer in Nordamerika sind die Bisams die kleinen Brüder der Biber.

Ähnlich wie die Biber sind sie auf das Leben im Wasser eingestellt. Sie können gut schwimmen und tauchen. Außerdem bauen sie ihre Burgen so, dass die Eingänge unter Wasser sind.
Tatsächlich gehören die Bisamratten aber zur Familie der Wühlmäuse. Der Schwanz ist jedoch länger und kräftiger als bei Mäusen oder Ratten. An den kräftigen Hinterbeinen haben sie zwischen den Zehen sogenannte Schwimmborsten. Bisamratte von der Seite (Foto Dr. Meschenmoser)
Ausgewachsene Bisams werden ungefähr so groß wie wilde Kaninchen. Da sie viel im Wasser sind, haben sie ein dichtes wasserabweisendes Fell. An der Oberseite ist es kastanienbraun bis schwarzbraun. Das Fell an der Unterseite ist hellbraun bis hellgrau gefärbt. Jungtiere haben auf der Oberseite graublaues Fell. Die Ohren sind kurz und rund geformt. Sie können unter Wasser geschlossen werden. Auffällig sind die langen Granenhaare an der Schnauze.

Bisamratte von der Seite (Foto Dr. Meschenmoser)

Der lange fast nackte kräftige Schwanz ist schuppig und seitlich etwas zusammengedrückt. Er wird beim Schwimmen mit kräftigen Schlägen hin- und herbewegt.

Weibchen haben meist vier bis fünf Paar Zitzen zum Säugen der Jungtiere.

Bei den Männchen befindet sich in der Nähe der Geschlechtsteile eine Drüse. Diese Drüse stößt während der Paarungszeit und im Verlauf des Paarungsvorspiels eine weisse, ölige, sehr stark nach dem Moschusöl Zibet riechenden Duftstoff aus.
Dieser intensive Geruch der begattungsbereiten Männchen führte auch zur Namensgebung der Bisamratte. In der türkischen Sprache entspricht das Wort „besem“ dem deutschen Begriff „Geruch“.
Typische Laute der Bisamratten sind kurzes Pfeiffen und das Zähnewetzen.
Kopfrumpflänge 25 - 40 cm
Schwanzlänge 19 - 25 cm
Gewicht 600 - 2000 g (Ausnahmefällen bis 2400 g)
Bisamratte von vorne (Foto Dr. Meschenmoser)

Wie leben Bisams?

Bisams sind an das Leben im Wasser angepasst. Lebensorte sind wasserpflanzenreiche Teiche und Seen, Kanäle, Sümpfe, langsam fließende Flüsse, Gräben mit reichem Uferbewuchs und feuchte Marschwiesen. Sie können sehr gut schwimmen und tauchen.

Bei Gefahr können sie bis zu 10 Minuten tauchen. Im Wasser bewegen sich Bisams durch die langen kräftigen Beine mit den weit gespreizten fünfzehigen Hinterfüßen mit Schwimmborsten. Der kräftige Schwanz unterstützt die Schwimmbewegungen und dient der Steuerung.
Sie sind überwiegend nachts aktiv und fressen vor allem pflanzliche Nahrung. Dazu gehören Wasserpflanzen, Wurzeln und Baumrinde, Stroh, Binsen, Schilf und Zweige. Zur Deckung des Eiweißbedarfes fressen sie auch Muscheln und Krebse, die im Süßwasser sehr selten sind. Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser)

Bisams bilden feste Partnerschaften und leben in Familien oder Rudeln an bestimmten Stellen. Auf der Suche nach geeigneten Lebensräumen wandern sie im Herbst und Frühjahr oft weit über Wasserwege, aber auch über Land. Außerhalb dieser Wanderungszeiten sind die Bisams ziemlich standorttreu.

Unterschlupf der Bisamratte (Foto Dr. Meschenmoser) Als Unterschlupf baut die Bisams mit Zähnen und den Vorderpfoten an Uferböschungen lange und tiefe Erdhöhlen. Die Schlupflöcher liegen unter der Wasseroberfläche. Luftlöcher an Land dienen der Beluftung.
Dies kann an Erddämmen von Kanälen, Schutzdeichen und Fischteichen zu großen Schäden führen. Im flachen Ufer von Teichen und in Sümpfen bauen sie ähnlich wie die Biber sogenannte „Winterburgen“. Gebaut werden die Burgen aus Schlamm, Schilf und anderen Wasser- und Uferpflanzen. Diese Burgen sind kegelförmig, haben einen Durchmesser und eine Höhe bis zu 2 m. Die Eingänge befinden sich unterhalb der Wasseroberfläche. Im Innern befindet sich ein sogenannter Wohnkessel, in dem sich die Bisams tagsüber verstecken und die Jungtiere versorgen.

Wie vermehren sich Bisams?

Bisamratten haben sich in Europa und auch in Deutschland sehr schnell vermehrt. Sie werden zwischen drei und fünf Jahre alt. Jährlich zwei- bis dreimal, mitunter sogar vier Mal bekommen die Bisams Junge. Die Paarungszeit beginnt im März und dauert bis September.

Bisamratte auf derWiese (Foto Dr. Meschenmoser)
Nach der Paarung dauert die Tragezeit nur 28 Tage. Dann kommen zwischen zwei und acht junge Tiere zur Welt. Meist sind es je Wurf vier bis fünf Junge. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt und blind. Sie werden etwa 18 – 20 Tage gesäugt. Ihre Augen öffnen sich nach 10 – 14 Tagen. Nach vier Wochen ist das „Jugendkleid“ ausgebildet. Junge Weibchen sind bereits nach fünf Monaten geschlechtsreif.

Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser)

Welche Feinde haben Bisams?

Zu ihren Feinden gehören Fischotter, Nerz, Mink, Rotfuchs und der Uhu. Diese Tiere sind in Deutschland selten. Anders als in Nordamerika haben deshalb die Bisams in Deutschland kaum natürliche Feinde.

Wie kamen die Bisams nach Europa?

Die Heimat der Bisams ist Nordamerika. Es sind die zwischen dem 30. und 69. Grade nördlicher Breite gelegenen Länder Nordamerikas. Am meisten verbreitet sind sie im wasserreichen Kanada.

Es wird berichtet, dass Fürst Colloredo-Mansfeld im Jahre 1905 Bisamratten von einer Jagdreise aus Alaska mitbrachte und sie in der Nähe von Prag auf seinem Landgut aussetzte. Er nahm sie wegen ihres wertvollen Felles mit und wollte sie züchten. Es sollen drei Weibchen und zwei Männchen gewesen sein, die sich rasch vermehrten und ausbreiteten.
Andere europäische Regionen wurden durch Auswilderungen in Belgien, Schweden, Finnland, Russland und Frankreich von den Bisamratten besiedelt.
So entliefen 1930 aus einer französischen Pelztierzucht-anlage etwa 500 Tiere. In Russland ausgewilderte Tiere verbreiteten sich über Sibirien über die Mongolei, China und die Mandschurei bis nach Japan.
Unaufhaltsam wanderten Bisamratten über ganz Europa und ihr Bestand nahm enorm zu.
Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser) 1914 wurde für Europa eine Zahl von 2 Millionen Bisamratten geschätzt, 1939 auf 10 Millionen Tiere und 1950 auf 100 Millionen.
Sie können sich so schnell vermehren, weil sie kaum Feinde haben. Diese Entwicklung ist problematisch,
denn die enorme Bevölkerung stellt für das Gleichgewicht der Naturräume in Europa eine große Gefahr dar. Deshalb werden sie seit 1939 in Deutschland durch amtlich bestellte Fänger gejagt. Diese erhalten für jeden Schwanz eine Fangprämie.
Welche Folgen hat die Verbreitung von Bisams?
Die Bisams wurden wegen ihres wertvollen Pelzes eingeführt und in Pelzzuchtfarmen gehalten. Die Verbreitung in der Natur ist mit weitreichenden Folgen verbunden. Deshalb werden die ausgewilderten Bisams in Deutschland bekämpft. Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser)
Einerseits entsteht Schaden an der Natur, so dass andere Tiere ihren Lebensraum verlieren. Andererseits entsteht auch wirtschaftlicher Schaden, der hohe Kosten verursacht.
Gefürchtet sind die Schäden durch das Untergraben von Wasserbauten. Ein einziges Tier bewegt in seinem Leben schätzungsweise fünf Kubikmeter Erde. Besteht ein Rudel aus 30 bis 40 Tieren, so ergeben sich allein hierdurch erhebliche Schäden. Mit einem umfangreichen Röhrensystem untergraben sie Uferbefestigungen, Deiche und Dämme. In Zeitungsmeldungen wird immer wieder berichtet, dass auf einen Schlag größere Geländestücke einsackten oder in Gräben rutschten. Deichbrüche und Überschwemmungsschäden sind die Folge. Dies ist für den Schutz vor Hochwasserkatastrophen ein großes Risiko.
Für die Natur sind Fraßschäden der Nager noch folgenschwerer. Durch das großflächige Anknabbern von Wurzeln und Pflanzen kommt es zu unerwünschten Veränderungen. Röhrichtpflanzen und schilfbrütende Vogelarten verschwinden. Stattdessen können sich Wasserpflanzen und Wasservögel verbreiten. Bei Gelegenheit machen sich Bisams auch über Feld- und Gartenanlagen her.
Kopf der Bisamratte beim Fressen (Foto Dr. Meschenmoser) Im Winter, wenn das pflanzliche Nahrungsangebot knapp ist, fressen Bisams auch Muscheln und Krebstiere, die in Deutschland sehr selten geworden sind. Beispielsweise sind sie die Fraßfeinde der sehr seltenen Flussperlmuschel.
Bisams sind keine Streicheltiere. Wenn sie ihre Jungen verteidigen oder in Bedrängnis geraten, werden sie angriffslustig. Mit den scharfen Krallen und ihren langen Zähnen können sie einem Menschen durchaus erhebliche Verletzungen zufügen.
Außerdem sind Bisams Träger von Leptospiren. Das sind Bakterien, die den Bisams nichts ausmachen, aber für manche Menschen gefährlich sein können. Darüber hinaus übertragen Bisams den Fuchsbandwurm, mit dem die Tollwut verbreitet wird. Bisamratte von hinten (Foto Dr. Meschenmoser)

Es wird also deutlich, dass die Einwanderung der Bisams in Deutschland mit großen Problemen verbunden ist. Auf Grund der großen Fruchtbarkeit und dem Mangel an natürlichen Feinden breiten sich diese Tiere schnell aus und bewirken erhebliche Schäden an Natur und Wasserschutzbauten. Deshalb wird in Deutschland die Bekämpfung der Bisams auch von den Naturschutzverbänden unterstützt. So wurden 2004 allein in Niedersachsen über 200.000 Bisams gefangen und getötet. Dies kann aber nur die schnelle Vermehrung etwas einschränken. Für eine Ausrottung müssten wesentlich mehr Tiere gefangen werden. Zugelassene Fänger erhalten für jeden Schwanz eine Prämie von 3 Euro.

Fachbezeichnung für Bisam:

Ondatra zibethicus

 

 

Systematik

 

Stamm:

Chordatiere (Chordata)

Unterstamm:

Wirbeltiere (Vertebrata)

Klasse:

Säugetiere (Mammalia)

Unterklasse:

höhere Säugetiere (Eutheria)

Ordnung:

Nagetiere (Rodentia)

Unterordnung:

Mäuseverwandte (Myomorpha)

Familie:

Wühler (Cricetidae)

Stichwort Bisam
In: Wikipedia, die freie Enzyklopädie

Literatur:

Petzsch, Hans: Die Bisamratte (Ondrata zibethica). In: Die große farbige Enzyklopädie Urania-Tierreich. Säugetiere. Berlin 2000,
S. 211 – 213

 

Texte und Fotos: Dr. Helmut Meschenmoser

Gestaltung: Götz Holger Thymian

C Berlin 2005

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wir-in-berlin 25.01.08